Jahresrückblick 2024

Und dann wars das auch schon wieder. 2024 ist Vergangenheit. Schön wars, aber auch anstrengend. Was vor allem daran lag, dass wir mit sehr vielen Krankheiten im Gemüse zu kämpfen hatten. Nach den Coronajahren hat es nun also das Gemüse erwischt. Perfekte, warmnasse Bedingungen für Blattkrankheiten, Fäulnissbakterien und Pilze in allen Formen und Farben hielten uns dieses Jahr also auf Trab. Doch zum Glück gab es da noch so einiges anderes, wovon ich jetzt erstmals berichten will.

Zum Beispiel die Erbsen. Diese teils unscheinbare Kultur hat mir einen wunderschönen Saisonstart beschert. Ich habe sehr früh mit dem anziehen der Setzlinge begonnen und konnte sie bereits früh im März auspflanzen. Noch unbehelligt vom anspruchsvollen Wetter später im Jahr, wuchsen sie schnell und zahlreich am Netz empor. Und pünktlich Anfangs Juni durfte ich mit der Ernte beginnen. Auf 160 Meter wuchsen Unmengen an Erbsen und es reichte für alle Abos. Hier und beim Gmüeser in Hallwil. 

Und damit war ich auf gutem Weg eines meiner Ziele für diese Saison zu erreichen. Ich habe versucht jede Woche von einer Kultur so viel zu ernten, dass es für alle meine Abos reicht und wenn möglich noch für den Märt in Lenzburg, oder gar die Abos in Hallwil. Bei den Erbsen und den Süsskartoffeln, welche ich im Herbst ernten durfte, hatte dies wunderbar geklappt. 

Ich konnte so zeigen, dass auch auf kleiner Fläche eine ausreichend grosse Menge geerntet werden kann. Und so langsam kann ich sagen, mein Anbauplan hat Hand und Fuss. Zwar baue ich mittlerweile etwas weniger Sorten an als früher, dafür viel öfters solche, welche ich dann auch in ausreichender Menge ernten kann. Ganz nach dem Motto, weniger ist eben manchmal mehr.

Da ich eine Fruchtfolge einhalten muss um die Böden nicht auszulaugen, darf ich sowieso nur alle 5 Jahre ein und dieselbe Pflanzenfamilie auf einem Beet wachsen lassen. Am einfachsten geht dies, wenn ich also einige Kulturen jeweils für ein zwei Jahre in die Pause schicke. Kohl, Salat und alles was zu den Leguminosen gehört, also Bohnen, Erbsen etc, brauche ich in grossen Mengen und muss sie daher über Jahre im Voraus einplanen, damit es keine Überschneidungen gibt.

Der Vielfalt in der Box schadet dies aber nicht. Mittlerweile sind wir beim Gmüeser in Hallwil voll auf die frischen Kulturen spezialisiert und haben dank einer guten Infrastruktur einen sehr hohen Output davon. Und da wir unsere Anbauplanung immer abstimmen, ist die Anzahl an verschiedenen Gemüsen die wir ernten, nun noch gestiegen. Das sich die Jungs vom Biohof Eggenwil auf das Lagergemüse spezialisiert haben, macht die Sache noch etwas einfacher und sorgt für einen Ganzjahresplan, der ständiges ernten zulässt.

Wie ihr seht, dreht sich neben dem Jäten bei mir vieles um die Versorgung meiner treuen Kundschaft. Wie ich immer sage, können wir die Welt nicht komplett verändern, aber wir können nach neuen Wegen suchen. Der, ich nenne es jetzt einfach mal, kommunale Gemüseanbau und die damit verbundene Verantwortung gegenüber den Menschen die uns dabei unterstützen und auf unsere Essenslieferungen vertrauen, ist so ein Weg. Einer den wir bisher ganz gut gemeinsam gegangen sind. 

Doch für mich ist die Sache so noch nicht ganz ausgereift. Noch fehlt es zu vielen Menschen an der Möglichkeit, bei so einem Projekt teilnehmen zu können. Einerseits liegt es an dem lieben Geld, unsere Preise sind hoch und das macht es einigen schwierig teilzunehmen. Anderseits ist es auch einfach noch zu kompliziert, an unser Gemüse zu kommen. Man muss die Deutsche Sprache beherrschen, Zugang zum Internet haben und überhaupt erstmals von uns erfahren. Könnte man jetzt natürlich alles einfach ändern, die Preise senken und mit viel Werbung eine grosse Präsenz schaffen. Aber das dies einen Rattenschwanz von Kompromissen mit sich ziehen würde, wissen wir natürlich auch. 

Deshalb suchen wir andere Wege und werden nicht müde dabei. Unser Essen muss nachhaltig produziert sein, muss gesund und lecker sein und soll bei Menschen auf dem Teller landen, die es schätzen. Es darf aber trotz all den Anforderungen kein Luxusgut werden (bleiben).

Im Mai, kurz vor der Erbsenernte also, waren wir als Familie einige Tage in Brixton, einem Stadtteil in Londen unterwegs. Wir durften tief in die Karibische Gemeinschaft eintauchen und verbrachten eine wunderbare Zeit mit der sogenannten Windrush Generation. Sie sind die Nachfahren der karibischen und afrikanischen Soldaten, welche nach dem 2ten Weltkrieg mithalfen London wieder aufzubauen. Bis heute haben noch immer nicht alle eine Aufenthaltsgenehmigung und die vergangenen 70 Jahre waren für sie von Armut und Unterdrückung geprägt. Nichts desto trotz haben sie eine eigene Community aufgebaut, welche das ganze Viertel belebt, versorgt und umsorgt. Der Zusammenhalt und die Projekte die daraus entstanden sind waren sehr inspirierend. Ganz zu schweigen davon, dass der Gemüsebauer welcher für die Community und nicht für die Wirtschaft arbeitet, einen äusserst hohen Stellenwert in dieser Gemeinschaft hat. 

Oder anders gesagt, mir wurde in den Ferien deutlich gezeigt, dass wir gemeinsam noch so viel mehr verändern könnten als nur unser Einkaufsverhalten und das wir es uns einfach nie zu bequem machen dürfen, wenn wir Veränderungen wollen. 

So weit so gut, aber im Winter ist dies immer einfach gesagt, denn dann habe ich Zeit für Gedankenspiele. Anders ist dies während der Saison, vor allem in einem Jahr wie diesem. Da blieb wenig Zeit zum Philsophieren, denn wie Anfangs schon erwähnt, muss ich in diesem Jahresrückblick natürlich auch noch auf des ziemlich beschiss…. Wetter eingehen. 

Gestartet waren wir gut. Es war zwar zu warm aber das half den frühen Kulturen beim keimen und wachsen. Danach wurde es schwierig. Zur Wärme gesellte sich die Feuchtigkeit, die gefühlt im Mai anfing und nie mehr endete. Zwar mussten wir kaum bewässern in diesem Jahr, doch es war auch unmöglich alles immer rechtzeitig zu jäten. 

Wir können nicht tonnenweise Material ausrupfen und auf den Komposthaufen tragen. Dafür sind die Beete zu lang und zu viele. Und es kommt  dazu, dass alles was wir von den Beeten entfernen, einem Abtransport von Nährstoffen gleichkommt. Das Unkraut muss also auf dem Beet verdorren, oder wie dieses Jahr, halt verfaulen. Und wenn es nicht verfault, wächst es einfach da weiter wo wir es hingeschmissen haben. 

Und wenn die Kulturen schon mal schön eingewachsen sind und das Wetter feucht warm ist, dann ist Schimmel und co. sicher nicht mehr weit entfernt. Auch andere Krankheiten, vor allem Blattlkrankheiten bei Randen, Sellerie, Krautstiel und co hatten super Bedingungen. 

Trotzdem haben wir zu 100% auf Spritzmittel aller Art verzichtet. Nützlinge und angepasste Anbautaktiken mussten reichen. Und das hat eigentlich ganz gut geklappt. Zumindest bei dem Frischgemüse wie Salat, Tomaten, Broccoli und co. Da hatten wir kaum nennenswerte Ausfälle. Zwiebeln, Randen, Kürbis und alles andere was lange auf den Feldern stand, ging dafür gründlich in die Hose. Über den Daumen gepeilt, fehlt ein guter Drittel davon. 

Nun bleibt mir, einmal mehr, nichts weiter, als mich bei all den fleissigen Helfern und Suportern zu bedanken, die ein weiteres Jahr Wagnereigarten ermöglicht haben. Der Dank gehört meiner Familie, meinen Eltern und unseren Partner Thomas, Martina, Lukie und Lorenz. Und natürlich allen die in irgendeiner Form dazu beigetragen haben, dass wir immer noch top motiviert sind, weiter zu machen. Auf Euch und auf ein gutes 2025!

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