Das Jahr 2023 ist Geschichte und somit auch das 6te Jahr des Wagnereigartens. Wir sind nun offiziell im verflixten 7ten Jahr unserer Tätigkeit angekommen und sind gespannt was auf uns zukommt.
Angefangen hat das vergangene Jahr trocken und warm. Aber auch sehr „wüchsig“. Die ersten Aussaaten keimten super und die Setzlingsproduktion lief, dank den warmen Temperaturen und den für einen Frühlingsanfang vielen Sonnenstunden, wunderbar. Schnell waren die ersten Beete voll und so sollte es dann auch das ganze Jahr über weitergehen. Trotz des Rekordjahres was die weltweiten Temperaturen anging, haben wir in der Schweiz einen relativ guten Sommer erlebt. Es gab schon fast regelmässig Regen und keine all zu langen Hitzeperioden. Zumindest aus Sicht des Gemüseproduzenten darf man das so sagen.
Aber natürlich haben auch wir die Zeichen gesehen und gespürt die wir lieber nicht bemerkt hätten. Ein zu warmes Winterende, ein zu warmer Sommer und Herbst und viel zu viel und zu intensive Sonnenstrahlung, führten zu braunen Blätter an den Bäumen und zum absterben so einiger Büsche und Sträucher. Aber auch die Schädlinge hatten ein super Jahr dank dem warmen Klima. 5-6 Generationen von Kohlweisslingen machten uns zu schaffen, wenn in anderen Jahren bei der 3ten oder 4ten dann mal Schluss war. Dank dem feuchten und eher kühlen März, fehlten dann plötzlich einige Bestäuberinsekten. Was ziemlich der falsche Moment war, da viele Blüten dank des warmen Aprils, bereits auf sie gewartet hätten.
Ebenfalls eine Erwähnung wert, ist hier der Blumenkohl, welcher bei mir über Wochen einfach so dastand. Gross, gesund und munter aber ohne jegliche Anzeichen, mit der Blütenproduktion zu starten. Er schaffte es dann schlussendlich doch noch, stand aber viele Wochen länger als geplant auf dem Beet.
Wie in den Jahren zuvor drückte die Klimaerwärmung also auch im vergangenen Jahr heftig auf das Gaspedal und davon auszugehen das 2024 alles besser wird, wäre wohl eine zu naive Träumerei.
Jäten, pflanzen und sich manchmal etwas zu viele Gedanken machen über unsere Mutter Natur, gehört halt nun mal zu unserer Tätigkeit. Wir kämpfen mit unserer Arbeit, in unserem kleinen Kosmos, gegen die Unvernunft in der Lebensmittelproduktion an. Oder anders gesagt wir kämpfen gegen Windmühlen und natürlich nicht zu vergessen gegen unser allseits geliebtes Unkraut. Eines der Beiden haben wir meist im Griff, das andere ist etwas komplizierter. Und so ist es immer wieder ganz ok, wenn uns das Unkraut, die Schädlinge, die Trockenheit oder der Sturm auf Trab halten und uns beschäftigen. All dies zwingt uns immer wieder neue Ideen auszuprobieren und macht so nicht nur die Arbeit interessanter, sondern lenkt auch von den Windmühlen ab.
So werde ich dieses Jahr einige neue Anbautechniken ausprobieren, neue Sorten natürlich auch, keine Frage, und auch die Verkaufskanäle werden noch einmal durchdacht und optimiert. Die Gemüseproduktion ist anstrengend und finanziell nicht gerade sehr lukrativ. Umso wichtiger ist es, die einzelnen Arbeitsschritte möglichst einfach zu halten und die passenden Werkzeuge dafür zu besitzen. Lange gab es nicht viel mehr als die Hacke und den Rechen für den Gemüseanbau von Hand. Doch in den letzten Jahren hat sich viel verändert. Mit der „Marked Gardener“ Bewegung, entstand vor allem in den USA ein grosser Antrieb, den Gemüsebau auf kleiner Fläche zu optimieren.
Die Hersteller der Geräte denken in knapp 1 Meter breiten Beeten und nicht mehr in Hecktaren. Es geht nicht mehr darum mit Maschinen die Zuglast eines Traktors möglichst auszulasten, sondern den Kraftaufwand der Arme bei möglichst hoher Leistung zu minimieren. Oder anders gesagt; den Rücken zu schonen. Im Laufe des Jahres werde ich sicherlich das ein oder andere Mal von den Versuchen mit den neuen Techniken und Geräten berichten.
Eine weitere Knacknuss dieses Jahr waren die geplanten Herbstferien. Anfangs Oktober tummeln sich bei mir normalerweise tausende von Nüsslisalat Setzlingen in dem Tunnel und warten auf ihren Pflanztag. Auch andere Kulturen sind dann eigentlich noch immer in der Produktion und natürlich wird alle 2-3 Tage fleissig geerntet. Doch dieses Jahr war dann alles etwas anders. Um die Gärten 2 Wochen verlassen und eine schöne Auszeit mit der Familie geniessen zu können, habe ich umgeplant. Keine Setzlinge durften anfangs Oktober mehr vorhanden sein. Alles musste gepflanzt sein und auch die Broccoli’s und co. mussten abgeerntet sein. Dies hatte zur Folge das ich bereits im Juni damit anfangen musste, weniger zu produzieren und etwas enger zu kalkulieren. Und damit mich nach den Ferien nicht endlos Unkraut erwartet, musste auch die Gründüngung bereits ausgesät sein. Dies wiederum bedeutete viele Beete abzuräumen und nochmals vor zu bereiten für das säen. Kaum in den Ferien angekommen, war dann die Erholung auch bitter nötig. Aber es war schön!
Besonders viel Freude machten mir auch dieses Jahr die vielen Gemüseboxen die ich zusammenstellen durfte. Einerseits war das geerntete Gemüse von guter Qualität und so machte das verkaufen natürlich Spass. Anderseits haben wir den ganzen Sommer über sehr viel Feines vom Gmüeser in Hallwil erhalten. Die Zusammenarbeit hat zu wunderschönen Kisten geführt, die abwechslungsreich und interessant waren. Die Crew in Eggenwil vom Biohof Unterdorf (früher BioGrumolo) sorgt nun während des Winters mit ihrem Lager- und Wintergemüse für Abwechslung einen spannenden Winter. Somit freuen wir uns auch im 7ten Jahr auf die Zusammenarbeit mit den Beiden und sind froh, dass auch sie einfach immer weitermachen! Ganz egal was noch kommen mag.
Weniger Freude macht mir im Moment das „Lädeli“. Zuviel bleibt liegen und wenn ich das Angebot runterfahre bleibt der Umsatz auf der Strecke. Es wird sich also das ein oder andere ändern müssen, damit ich die Motivation dafür nicht verliere. Aber es gibt zum Glück noch Optionen und somit auch Raum für Experimente. Etwas das ich ja bekanntlich mag und auf das ich mich auch schon freue.
Wie jedes Jahr darf ich auch dieses Jahr wieder einer ganzen Menge netter Menschen Danke sagen für ihre Unterstützung.
Allen voran meiner Familie, die viel ertragen und aushalten müssen und trotzdem immer da sind wenn ich sie brauche.
Das Selbe gilt auch für meine Eltern, die Montag für Montag dastehen und die Gemüseboxen ins Schenkenbergerthal fahren.
Thomas und Martina vom Gmüeser bieten mir nicht nur einen tollen Arbeitsplatz und gutes Gemüse für meinen Verkauf, sonder wir erleben zusammen auch viele Stunden mit interessanten Gesprächen beim essen und jäten.
Und ohne die unkomplizierte Hilfe von Luki und Lorenz in Eggenwil, wäre ich schon oft aufgeschmissen gewesen. Also Danke euch allen.
Und keine Angst, liebe Leser, Kunden und Gemüseboxabonenten. Niemals würde ich euch vergessen. Denn ohne euch ginge rein gar nichts! Zu wissen das ihr schätz was wir machen ist Motivation und Energie, welche für viele viele Arbeitsstunden ausreicht. Danke dafür!









